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Zug der Erinnerung
Ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen

In Kooperation mit:

Gedenken in Auschwitz

Die in Auschwitz und in den übrigen Vernichtungslagern begangenen Massenmorde waren Ausfluss eines irrationalen Rassismus, aber ließen sich zugleich in das zielgerichtete Programm der Eroberung Europas einfügen. Erst diese Synthese steigerte die kriminelle Energie unterschiedlicher deutscher Interessengruppen, die gemeinsam das größte Menschheitsverbrechen zu verantworten haben.

Auf dem Schienensystem der deutschen Besatzer (hier: Gleise in Auschwitz) ließ der NS- Staat Millionen Arbeitssklaven durch Europa transportieren. Wer den deutschen Kriegszielen nützlich erschien, durfte zeitweise weiterleben. Das untere Foto zeigt jugendliche Teilnehmer einer Gedenkstättenfahrt des "Zug der Erinnerung" (April 2010) in Auschwitz-Dwory. Dort unterhielten bekannte deutsche Unternehmen Produktionsstätten, in denen die menschliche Arbeit "vernutzt" wurde.

Die Zusammenhänge zwischen den deutschen Kriegszielen, der dafür unverzichtbaren Sklavenarbeit und den Massenmorden in Auschwitz skizziert Adam Tooze in seinem Buch "Ökonomie der Zerstörung":

Verkoppelung von Arbeit und Vernichtung

An der Selektionsrampe in Auschwitz hinterlegten die
deutschen Jugendlichen der Gedenkstättenfahrt
Briefe an die Opfer.

"Konservativen Schätzungen zufolge wurden zwischen 1941 und 1945 1,1 Millionen Juden nach Auschwitz deportiert. 900.000 von ihnen wurden sofort ermordet, 200.000 wurden als Zwangsarbeiter zurück behalten. Natürlich bedeutete die Selektion zur Arbeit nur den Aufschub der Ermordung. Wer der sofortigen Vergasung entging, der durchlebte fast immer einen schleichenden Prozess der Ermordung, der sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen konnte. Das heißt, daß Auschwitz trotz seiner singulären Rolle als Vernichtungslager nie seine ursprüngliche Bestimmung als Arbeitslager verlor. Neben den 200.000 zur Arbeit selektierten Juden verwaltete die Lagerkommandantur auch einen stetigen Zustrom an nichtjüdischen Häftlingen, darunter alles in allem 140.000 Polen, ungefähr 20.000 Zigeuner aus aller Herren Länder, über 10.000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr als 10.000 Gefangene anderer Nationalitäten (...). Zehntausende von Häftlingen wurden laufend innerhalb des Konzentrationslagersystems hin- und hergeschoben, wie es der Arbeitsbedarf eben gerade diktierte [vgl. die Ausführungen im Gutachten über die "Reichsbahn"-Einnahmen] (...). Bis 1942 hatten die SS-Architekten Pläne für einen Lagerkomplex in Auschwitz-Birkenau mit nicht weniger als 600 Gebäuden für die dauerhafte Unterbringung von Sklavenarbeitern ausgearbeitet. Bis Kriegsende waren über 300 davon fertiggestellt worden. Abgesehen davon arbeiteten Tausende von Häftlingen auf dem 4.000 Hektar großen Gelände, das Himmler in der Umgebung hatte abstecken lassen, um eine Zentralstelle für die agronomische Erforschung der Ostgebiete zu errichten (...). Diese Verkoppelung von Arbeit und Vernichtung erreichte ihren Höhepunkt im Sommer 1944, als die Juden aus Ungarn in Auschwitz eintrafen und als letzte große jüdische Bevölkerungsgruppe in den Strudel der Vernichtung eingesogen wurden. Während die Gaskammern Höchstleistungen brachten, um die Hunderttausende von ungarischen Juden zu töten, die als nicht arbeitsfähig selektiert worden waren, wurden Zehntausende junger Männer und Frauen zur Sklavenarbeit auf die wichtigsten Rüstungsfabriken im Reich verteilt."